Luther in Borna


Bornaer Stadtkassenbuch von 1523 

Es sind oft die historischen Zufälle, in denen Städte für einen Moment in den Blick der Weltgeschichte geraten, deren Atem spüren. So geschehen im Jahre 1522 in Borna. Ein eilig Reisender übernachtet vom 4. zum 5. März in einem Haus am Marktplatz. Er ist auf dem Weg von Eisenach nach Wittenberg und so könnte man annehmen, dass es doch eher der Zufall war, in der etwa auf halbem Wege liegenden Stadt Borna sein Quartier aufzuschlagen. Doch auf den zweiten Blick wird es deutlicher, dass Borna nicht zufällig den berühmten Gast beherbergte. Junker Jörg übernachtet im Hause seines Freundes und Geleitsmannes Michael von der Straßen und auch sonst ist Borna für ihn ein weitgehend sicherer Ort. Der junge Mann, Ende dreißig, heißt eigentlich nicht Junker Jörg, sondern er benutzt diesen Decknamen nur, weil er auf dem Reichstag zu Worms ein Jahr zuvor exkommuniziert und für vogelfrei erklärt worden war. Ein jedermann könnte ihn ungestraft töten. Und Feinde hatte er genug, dazu noch mächtige und einflussreiche, angeführt vom dazumal mächtigsten Mann der Welt: Papst Leo X.

 

Der Staatsfeind Nr. 1 heißt eigentlich Martin Luther. Der Theologieprofessor aus Wittenberg wollte ursprünglich seine eigene Kirche von der Verkrustung reformieren, löst aber spätestens mit seinen 95 Thesen gegen den Ablasshandel, die er an das Tor der Wittenberger Stadtkirche angeschlagen haben soll, einen Flächenbrand aus. Nachdem er ein Jahr auf der Wartburg bei Eisenach Unterschlupf gefunden hatte, wird er nun eilig nach Wittenberg zurückgerufen. Der Flächenbrand hat auch diese Stadt erreicht. Doch die Reise ist beschwerlich, weil er sich nur auf einem schmalen ernestinischen Korridor frei durch Sachsen bewegen kann. In Borna ist er sicher und hat Freunde im Geiste. Er findet im Haus von Michael von der Straßen Unterschlupf und die Ruhe, an seinen Landes- und Schutzherren, den sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise, einen Brief über die Beweggründe seines Handelns zu schreiben, der als Aschermittwochbrief in die Geschichtsbücher eingehen wird.

 

Martin Luther wird noch oft nach Borna kommen, auch weil die Stadt eine progressive Rolle in der Reformation im Leipziger Land spielt. Aus dem Dorf Kieritzsch, unweit von Borna, entstammt seine spätere Frau Katharina von Bora.

 

Borna – wo Kirche bewegt wurde. Unter dieses Motto stellt die Große Kreisstadt im Leipziger Land ihren geschichtlichen Rückblick auf die Zeitenwende der Reformation im 16. Jahrhundert. Aber dieses Motto verbirgt auch einen durchaus doppeldeutigen Blick in die jüngere Geschichte der Stadt. Auch im Jahr 2007 stand Borna im Blickpunkt der Öffentlichkeit, als die kleine, 750 Jahre alte Dorfkirche aus dem zur Überbaggerung freigegebenen Ort Heuersdorf in einem spektakulären und nachdenklichen Transport in ihre neue Heimat auf den Martin-Luther-Platz in Borna bewegt wurde. Dort steht sie heute im Schatten der großen Stadtkirche St. Marien, in der einst auch Martin Luther predigte. Borna – wo Kirche bewegt wurde.

 

Die Stadt Borna entdeckt in den letzten Jahren zunehmend ihre geschichtlichen Wurzeln und dazu gehört auch ihre Rolle in der Zeit der Reformation. In verschiedenen Projekten und Ausstellungen hat man sich dem Thema genähert. Borna ist mittlerweile auch eine Station des sächsischen Lutherweges, der die geschichtlich bedeutsamen Orte der Reformation auf einem Pilgerweg verbindet.

 

Im Jahr 2013 wurde hier eine Tradition begründet, die noch viele Jahre Bestand haben soll – das Lutherfest. 2017 findet es vom 25. bis zum 27. August statt. Wieder sollen mit ganz verschiedenen Veranstaltungen die Geschichte der Stadt und die heutige Zeit beleuchtet werden.

Hauptort des Geschehens ist dabei abermals, wie zu erwarten, der Martin-Luther-Platz im Herzen der Stadt. Hier befindet sich neben den beiden Kirchen, Stadtkirche St. Marien und Emmauskirche, das erste neuzeitliche Lutherdenkmal - geschaffen vom Hannoveraner Künstler Hilko Schomerus.

Für das Lutherfest haben sich die Organisatoren der Stadt Borna auch 2017 eine Menge einfallen lassen. In jedem Fall will man sich dem historischen Thema der Reformation und Martin Luther auf eine sehr vielfältige Art und Weise nähern, um möglichst viele verschiedene Interessenten und Altersgruppen anzusprechen.

 

Das Lutherfest startet, wie auch schon in den vergangenen Jahren, am Freitagabend mit einem Open-air-Theaterstück, das von Bornaer Laiendarstellern aufgeführt wird.

 

Am Sonnabend stehen dann die Läufer und Wanderer im Mittelpunkt. Vom Platz vor der Altenburger Kirche St. Bartholomäi aus starten die Wanderer zur vierten Lutherwanderung und die Läufer zum fünften Lutherlauf jeweils entlang der idyllischen und historisch belegten Wegstrecke des Dr. Martinus im 16. Jahrhundert. In Borna werden die Sportler auf dem Martin-Luther-Platz erwartet. Dort findet von Freitag bis Sonntag ein historischer Markt mit leckerer Verköstigung und historischem Programm statt. Es präsentieren sich Händler, Gaukler und Musiker.

Es wird also auch 2017 zum fünften Lutherfest wieder spannend und auf die Besucher warten allerlei Höhepunkte und Überraschungen. Lassen auch Sie sich überraschen…